Probleme lösen

Wenn wir bei einem Problem nicht weiterkommen, lohnt es sich oftmals dieses auf einer anderen Ebene anzugehen.

 

Wenn wir uns fragen, was können wir tun, um den Zusammenhalt in unserem Land zu stärken, dann erscheint einem die Aufgabe als zu gewaltig und es gibt viele vage Antworten. Das Problem lässt sich auf dieser Ebene nicht lösen.

 

Wenn wir uns jedoch fragen, was können wir tun, um unsere Nachbarn und Freunde stärker zu verbinden, dann fallen uns viele kleine Dinge ein, die wir tun können. Plötzlich wird es greifbar und praktisch.

 

Dieses Prinzip gilt z.B. auch für die Energieversorgung unseres Landes. Betrachtet man die Transformation weg von fossilen zu erneuerbaren Energiesystemen, dann wird es schnell unübersichtlich und komplex. Wenn man sich stattdessen fragt, was jeder einzelne von uns in seinem Geltungsbereich machen kann, dann wird es schon wieder leichter: energiesparende LED-Lampen installieren, öfter das Fahrrad benutzen, Abfall konsequenter trennen etc. Und sobald das läuft, nimmt man sich die nächsthöhere Ebene vor: PV-Anlagen installieren, Häuser dämmen etc. Und dann die nächste: Beteiligung an Windkraftanlagen etc.

 

Vergrößern oder verkleinern, das ist der Punkt. Probleme, die auf einer Ebene unmöglich erscheinen, sind auf einer anderen Ebene oft gut zugänglich. Irgendwo gibt es einen Anfang, der für uns zugänglich ist.

 

Albert Einstein, der insbesondere für seine Arbeit an der Relativitäts-Theorie bekannt wurde, bemerkte vor diesem Hintergrund einst treffend: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Und er musste es ja wissen, er hat sich mit der Relativität beschäftigt. Zusammen mit seiner Frau, Mileva Einstein (geb. Marić), die ihm als Mathematikerin bei den Berechnungen half, mussten sie immer wieder neue Perspektiven auf unterschiedlichen Ebenen einnehmen, um das Rätsel der Relativität zu lösen.

 

Ich kann mich noch gut an das ungute Gefühl erinnern, das ich an meinem ersten Studientag hatte. Ich hatte mich zum Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik eingeschrieben. Das Curriculum hatte ich mir bis dato gar nicht angeschaut. Ich vertraute auf die Aussage meines Bekannten, als er damals sagte oder viel mehr einlud: „Hey Georg, lass uns doch zusammen Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik studieren.“ Da stand ich nun und blickte auf die Fächerliste: Mathe 1-3, Physik 1-3, Elektrotechnik 1-3 usw. Wie ein unbezwingbarer Berg türmte sich der Studieninhalt vor mir auf.

 

Die Erleichterung brachte dann die Betrachtung auf einer anderen Ebene. Zunächst baut alles aufeinander auf. Schritt für Schritt würden wir uns die Inhalte erarbeiten. Und das Studium hatten auch andere vor mir geschafft. Also konnte ich es auch schaffen. Und so kam es dann auch.

 

Probleme, die auf einer Ebene unmöglich erscheinen, sind auf einer anderen Ebene oft gut zugänglich.

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